Refraiming im Walk and Talk – r(H)einreden® #16

Gleicher Ort - unterschiedliche Jahreszeiten

Episode 16

Jahreswechsel, Regen, Schnee, Kälte und dann auch noch Corona …ist doch alles Mist, oder?  Beim Walk and Talk das Anliegen von Klient:in in einen anderen Rahmen setzen, bedeutet nicht etwas schön zu reden, sondern es zu refraimen!

Der zweite  Lock-Down beschäftigt uns auch gerade. Geschäfte sind geschlossen, Sportstätten auch, und im Kino war ich persönlich ja auch schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr. Das sind traurige Rahmenbedingungen! Die scheinbar unlösbare Lage wird zunächst in einen Rahmen gesetzt – das Fraiming. Eine gute Voraussetzung, um im nächsten Step alternative Wahrnehmungen anzubieten – im RE-Fraiming.

Das vermeintlich negative Verhalten, die belastenden Umstände, werden aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Sie werden in einen anderen Rahmen, einen anderen Kontext, gestellt. Diese Veränderung der Perspektive führt dann recht schnell, so meine Erfahrung, zu einer anderen Bewertung und Akzeptanz der Umstände. Voraussetzung dafür ist aber das Vertrauen von Klient:in zu Dir und Deinen Methoden.

Refraiming im Walk and Talk, also in der Beratung im Gehen, ist kein hemmungsloses, unreflektiertes, positives Denken! Für mich wäre dies unrealistisch und auch unehrlich im Umgang mit dem Klienten. In dem bekannten Rahmen ist die Angelegenheit für Deinen Klienten wirklich schwer zu ertragen. Als Berater kann ich dann nicht einfach rosa Wölkchen drumherum malen und alles ist wieder gut. Das funktioniert nicht!

Ehrlicher Umgang mit der Erlebniswelt Deines Gegenübers betrachte ich als Voraussetzung für das spätere Auffächern der Möglichkeiten!

Ein erstes hartes Beispiel:
Der Tot eines Elternteils ist für Kinder furchtbar und nur schwer zu ertragen. Dies gilt auch für den überlebenden Elternteil, der dann die volle Verantwortung und Gestaltung der Lebenswelt auf den eigenen Schultern trägt. Das sollst und kannst Du letztlich nicht schönreden!

Mit einem gewissen Abstand, nach der akuten Trauerphase, wäre es aber möglich ein Refraiming vorzunehmen. Beispielsweise könnte das Kind durch den Verlust mehr Selbständigkeit entwickeln, also eher in die Eigen-verantwortung kommen. So können die Umstände verändert werden, ohne das Ereignis selbst zu verharmlosen.

In vielen Artikeln und Posts habe ich die schöne chinesische Definition einer Krise gelesen und ja – auch ich möchte sie hier als Beispiel anführen:

So betrachte ich auch gerade die Lage um die Pandemie. Privat kann ich nicht wie üblich meinen Interessen nachgehen. Um die Zahlen wieder niedrig zu halten, bleibe ich im Lockdown soweit wie möglich zu Hause. Jetzt kann ich mich darüber aufregen, dass das Schwimmbad und das Kino geschlossen sind und ich mich nicht mit Freunden treffen kann. Das wäre dann der unangenehme Teil des Rahmens, ok. Die gegebenen Umstände in einem anderen Kontext zu betrachten, führt bei mir z.B. dazu dass ich Zeit finde meinen Wohnraum zu renovieren und endlich mal ein Fotobuch zu gestalten. Dinge, für die ich schon seit Jahren nach der passenden Zeit gesucht habe.

Ein zweites Beispiel:
Wenn keine Kunden im Einzelhandel vor Ort einkaufen, dann steht die Existenz der kleinen Fachgeschäfte auf der Kippe. Arbeitsplätze von Mitarbeiter:innen sind in Gefahr und letztlich auch das finanzielle Überleben des Betriebes. Ein Beispiel habe ich dazu erst kürzlich im Lokalfernsehen präsentiert bekommen. Eine kleine Buchhandlung in Bonn drohte die Insolvenz. Der Rahmen des Lockdowns wurde vom Eigentümer aber gewechselt. Das Refraiming sah so aus, dass er nun Bücher online zum Verkauf anbietet und die gekauften Exemplare an der Ladentür verkauft oder sogar per Fahrrad im Ort liefert. Aus der Krise wurde eine Chance, eine Gelegenheit neue Wege zu beschreiten.

In meiner 14. Episode habe ich gerade unsere Branche (Berater, Coaches, Trainer) in diesem Rahmen betrachtet und die Frage nach dem verantwortungsbewussten Umgang mit dieser Krise des ersten Lockdowns beleuchtet. Mir ist es wichtig, dass bei all der Kreativität und Umsetzungsbereitschaft eine Sache nicht zu kurz kommt. Der Respekt und das Verantwortungsbewusstsein dem Anderen gegenüber.

Neue Wege dürfen nicht um jeden Preis gegangen werden. Ich meine, wenn mir die Ausbildung und die Erfahrung für beispielsweise ein Onlineangebot zur Beratung oder ein telefonisches Angebot fehlt, dann muss ich mir zunächst diese Fertigkeiten aneignen. Nicht ohne Grund ist das Auswahlverfahren bei der Telefonseelsorge meines Wissens nach sehr umfangreich. 

Vielen Dank für Deine Aufmerksamkeit, bleib besonnen und vor allem natürlich gesund!

Vergiss nicht – mit mir kannst Du r(H)einreden®.

Links der Episode:
https://telefonseelsorge.de/, abgerufen: 08.02.2021, 17:01 Uhr MEZ

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Die Wahrheit – r(H)einreden® #15

Die Wahrheit

Episode 15

Herzlich willkommen!

Zunächst eine Bitte – halte Dich an die AHA+C+L Maßnahmen:

Abstand halten / Hygienemaßnahmen einhalten / Alltagmasken tragen / aktiviere die CoronaApp auf Deinem Smartphone und denke an regelmäßiges Lüften(!), denn Aufmerksamkeit Hilft Allen!

Mit meinem Podcast bringe ich Dir Methoden zur Beratung im Gehen näher, die vor allem durch meine  systemische Grundhaltung geprägt sind!

In dieser Episode geht es um etwas, was in den letzten Monaten immer wieder in den Medien oft thematisiert wurde: Es geht um nichts geringeres als „die Wahrheit!“. Ein starkes Wort und gerade in der aktuellen Pandemie gibt es viele Menschen, die der Meinung sind die Wahrheit für sich gepachtet zu haben. Nur die persönliche Sichtweise zählt für sie und zur Not gehen Sie sogar körperliche Auseinandersetzung ein.  Ich frage mich oft, muss das so sein?

Unabhängig von dieser Pandemie habe ich von meinen Klienten beim rHeinreden immer mal wieder zu hören bekommen, dass es ihnen so richtig schlecht ginge.  Alle anderen wollten ihnen einreden, dass ihr Problem ja gar nicht so schlimm sei! Eine Klientin berichtete mir: „Es ist genauso schlimm wie ich es Ihnen sage! Die anderen Leute haben doch keine Ahnung!“. Ihre furchtbare Wahrheit stand über allen Zweifeln und Ratschlägen.

Ich frage mich heute ob sie Recht hatte? Was meinst Du? Sind die Dinge wirklich so einfach? Schwarz oder weiß? Schließlich ist, einem der systemischen Grundsätze folgend, jeder selbst der Experte für sein Leben.

Wie kannst Du dann bei Deiner Beratung im Gehen Deinen Klient:innen neue Wege aufzeigen? Schließlich berichtet Dein Klient Dir aus seiner persönlichen Lebenswelt. Sein Erleben teilt er Dir mit, seinen Schmerz und seine Ausweglosigkeit.

Anfang Oktober habe ich in einem Workshop in Münster besucht und hier ein sehr schönes Beispiel – eine schöne Metapher – erfahren. Hör doch einmal kurz hier genau hin – was ist das?

*Buchseiten werden geblättert*[1]

Was war das – was glaubst Du? Richtig, es ist ein Buch. Ein Buch, in dessen Seiten hier geblättert wird. Jetzt müsste sich ein Bild von einem Buch bei Dir im Kopf entwickeln. Dein Bild von einem Buch, mit zwei Klappdeckeln und mit Papierseiten dazwischen! Jeder kennt Bücher und es ist doch klar, dass wir es von vorne bis hinten richtig durchlesen können. Manche Bücher haben ein Hardcover, andere sind mit einem Softcover versehen. Ist das die Wahrheit über ein Buch? Ist das die wahre Realität? Was glaubst Du?

Nun ja, fragen wir mal Kinder aus dem arabischen Sprachraum, dann müssen wir unser inneres Bild, unser Modell eines Buches, neu überdenken. Für diese Kinder endet ein Buch dort, wo unsere Bücher erst beginnen – nämlich vorne. Das Buch in arabischer Schrift hat zwar auch zwei Deckel, aber in diesen kulturellen Kreisen schlägt man ein Buch von je her hinten auf. Man liest es auch von hinten nach vorne. In dieser Schrift ist genau dies die Wahrheit. Nur so liest man ein Buch in arabischer Schrift wahrlich „richtig“!

Ich fand das Beispiel sehr treffend, denn auf den ersten Blick sprechen wir von dem gleichen Gegenstand, der auf den ersten Blick auch identisch aussieht.

Klient:in spricht vielleicht von ähnlichen Live-Events, wie andere Klient:innen auch. Eine Trennung, eine Krankheit oder ein Todesfall. Und trotzdem ist die persönliche Perspektive immer eine besondere. Es menschelt halt sehr.

Bringe Klient:in dazu Abstand zur vermeintlichen Wahrheit zu finden. Bei der Beratung im Gehen auf Grafenwerth ist das so wunderbar umsetzbar. Wie ein Kurzurlaub auf der Insel, so lassen meine Klienten ihren Alltag an der Brücke zurück und nach dem Überqueren dieser, beim ersten Schritt auf der Insel, finden Sie schnell zum notwendigen Abstand. Dann erst sind sie auch arbeitsfähig.

Ich habe meine Klientin in einer damaligen Beratung dazu eingeladen sich einmal auf eine Hypothese einzulassen. Nämlich die Hypothese, dass ihr das Erlebte auch andere Sichtweisen erlauben kann. Jetzt höre ich sie noch antworten, dass sie sich ja die Wahrheit auch schönreden könnte, hier beim rHeinreden. Aber, was ist denn tatsächlich die Wirklichkeit? Die Wahrheit liegt genau wie Schönheit im Auge des Betrachters.

Noch ein Beispiel:

Auf Grafenwerth ist das Gras grün. So ist es, das kann ja jeder sehen. Oder eben doch nicht?  Frag mal einen Menschen, der von Geburt an unter einer Farbschwäche leidet. Ich habe davon gelesen, dass ca. 100.000 Menschen in Deutschland betroffen sein sollen. Die Zahl kannst du gerne mal auf den Seiten des Statistischen Bundesamts prüfen, ich übernehme hier keine Gewähr. Auf der Seite „Lenstore.de“[1] kannst Du selbst erleben, wie ein Mensch mit einer Farbschwäche die Welt wahrnimmt, sie für ihn also seiner Wahrheit entspricht. Den Link findest Du hier unten in den Shownotes.

                         

  1. Ein und dieselbe Landschaft wird also doch vom Auge des jeweiligen Menschen unterschiedlich wahrgenommen. Bedenke, für den Menschen mit der angeborenen Farbschwäche ist es keine Störung. Er kennt die Welt nicht anders. So, wie das in arabischer Schrift verfasste Buch auch selbstverständlich schon immer von hinten aufgeschlagen wurde! Wir Menschen sehen also immer individuell unser eigenes Bild – unsere Wahrheit – der Umwelt, mit unseren Filtern.

Das ist auch gut so! In Modellen denken erleichtert uns das Leben, da wir sonst verrückt werden würden. Stell Dir vor, Du müsstest bei jeder Türklinke überlegen, wozu dieses Ding dient und wie Du es zum Öffnen nutzen sollst. Was wäre das für ein Leben? Das Gehirn konstruiert sich ein persönliches Modell der Welt, das es mit seinen eigenen begrenzten Mitteln und Kapazitäten zusammensetzt. Im Systemischen spricht man vom Konstruktivismus.

Deutlich gesagt:

Jeder Mensch, also auch jeder Deiner Klient:innen, konstruiert sich seine persönliche Umwelt, sein persönliches Erleben und was noch wichtiger ist – die Bewertung dieses Erlebens erfolgt persönlich, so gut wie es überhaupt möglich ist. Hier spielen alle bisherigen Erfahrungen eine Rolle. Es gibt also nicht die eine Welt, nicht das eine Gras und auch nicht das eine Buch.

Genauso ist es mit unserer Kommunikation! Es gibt keine einzige Wahrheit, kein einzigartiges richtig oder falsch.

Jetzt wird es für mich als Systemiker spannend. Wenn jeder Mensch individuell wahrnimmt, dann können wir doch als Berater, Trainer und Therapeuten andere Betrachtungsweisen anbieten?

Nimmt Dein Klient das Angebot an und lässt sich auf diesen Gedanken ein, dann schenkt er sich damit selbst eine gewisse Freiheit. Wird er sich über die Modellhaftigkeit seines Erlebens bewusst, dann kommt er recht schnell aus seiner Hilflosigkeit raus. Ich finde dies ein Hauptaspekt der lösungsorientierten Kurzzeitberatung. Mit dieser Erkenntnis gibt es keinen Streit mehr über die Wahrheit. Als mir dieser Umstand in der Ausbildung beim IF Weinheim klar wurde, da kam eine wohltuende Gelassenheit über mich. Eine Befreiung vom „Recht bekommen müssen!“. Kannst Du Dir vorstellen, wie ich das meine?

Es eröffneten sich neue Möglichkeiten in meiner Beratungsarbeit. So konnte ich meinen Klient:innen auf der Insel einen neuen Weg vermitteln, der sofort wieder in die Eigenverantwortung führte. Wieder selbst die Verantwortung über das eigene Leben zu übernehmen. Die Verantwortung führte unweigerlich in die Selbstwirksamkeit. Eine Selbstwirksamkeit aus der Antwort heraus: „Wozu wird das jetzt führen?“.

Frag Deine Klient:in dann im systemischen Sinne z.B.: „Woran werden Sie in einem Jahr merken, dass sie heute einen anderen Weg beschritten haben?“.

So, das war´s für heute! Ich hoffe Du hast den ein oder anderen Gedanken zum rHeinreden® entdeckt. Gerne kannst Du mir auf Twitter diese mitteilen (@rHeinreden) oder du schreibst mir über meine Homepage eine Nachricht. Seit kurzem habe ich auch LinkedIn wieder für mich entdeckt.

Pass auf Dich und Deine Umwelt auf, Aufmerksamkeit hilft allen!

Und nicht vergessen, mit mir kannst Du rHeinreden.

Links der Episode:

[1] https://www.lenstore.de/vc/farbwechsel/#/tritanopia/tritanopia-istanbul-bazaar

abgerufen 17.10.2020, 10:00 Uhr, CET

[1] www.hoerspielbox.de

abgerufen 17.10.2020, 11:20 Uhr, CET

Beratung im Gehen bei Kontaktsperre um Covid-19? – r(H)einreden® #14

Beratung im Gehen

Episode 14

Herzlich willkommen beim r(H)einreden®!

Meinen Podcast-Relaunch hatte ich mir eigentlich mit einem anderen Thema zu Ostern in der Redaktion eingeplant, aber nun schwenke ich doch auf die aktuelle Lage um die Erkrankung COVID-19 ein. Heute frage ich mich: Sollten wir  Beratung im Gehen bei Kontaktsperre um Covid-19 durchführen? Sollte ich in der Natur, Face-to-Face, weiterhin r(H)einreden® anbieten?

Heute ist Ostersonntag, der 12.04.2020, und wenn Du diese Episode hörst, dann haben wir in Deutschland ca. 125.000 Coronafälle gezählt (Johns Hopkins University) – den Link zur aktuellen Statistik  findest Du hier unten in meinen Shownotes. Wir leben seit mehreren Wochen in einer Form des Shutdowns und das öffentliche Leben ist weitestgehend zum Stillstand gekommen, Kitas und Schulen sind weiterhin geschlossen. Neben der Sorge um die Ansteckung mit dem Covidvirus sind Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit für weite Teile der Bevölkerung eine Belastung. Ältere, gesundheitlich vorbelastete, chronisch erkrankte Menschen sollten gar nicht mehr am öffentlichen Leben teilhaben. Für unsere psychische Verfassung stellen diese Umstände eine Herausforderung dar.

Psychosoziale Beratung ist in diesen Zeiten mehr als sinnvoll! Da könntest doch auch Du als Berater Deine Beratung im Gehen anbieten, oder? Im Bereich der sozialen Arbeit fallen Angebote weg, Angebote für Kinder/ Eltern  in schwierigen Familienverhältnissen z. B.! Im sozialen Sektor geht man momentan von einer hohen Dunkelziffer der Kindeswohlgefährdung aus, um hier mal eines der furchtbaren Beispiele zu nennen. Praxen schließen und die Menschen bleiben mit ihren Sorgen und Nöten alleine zu Hause.

Eigentlich wäre dies jetzt der perfekte Zeitpunkt zur Etablierung der Beratung im Gehen, wäre da nicht die Kontaktsperre. Einige Kollegen in meinem Beratungssegment bieten diese Möglichkeit nun auch verstärkt an – ganz nach dem Motto: Jetzt erst recht! Findest Du das richtig? Gehst Du da mit?

Gerade Kolleginnen und Kollegen in der finanziellen Notlage, die bei den Solopreneuren unter den Beratern, Coaches, Trainerin und Therapeuten nun herrscht, sehen hier ein Chance. Das Kontaktverbot bedeutet vielerorts  eine geschlossene Praxis! Du kennst sicherlich auch den ein oder anderen Kollegen, der keine Vorträge mehr halten kann, keine Workshops mehr anbietet und auch seine Termine zu den Intervisionen oder Supervisionen auf null zurückfahren musste. Wir sprechen hier von Bedrohungen der Existenz. Die Freiberufler unter uns, so wie auch ich, haben es hier noch verhältnismäßig gut uns sollten den Vollselbständigen hier die Aufträge für Beratung im Gehen belassen! So sehe ich das!

Die Kreativität trägt nun auch andere Blüten und plötzlich bieten mir nichts – Dir nichts Kollegen telefonische Beratungen an. Vorsicht! Das ist ein ganz anderes Setting, als in der Praxis im Face to Face! Wesentliche nonverbale Informationen fehlen hier auf beiden Seiten. Auch wenn die finanzielle Not noch so groß ist, Telefonseelsorge sollte den Profis vorbehalten bleiben. Ich habe den Link zur Seite der Telefonseelsorge in meinen Shownotes mit aufgeführt. Ich könnte mir vorstellen, dass hier nun vermehrt Beraterinnen und Berater gesucht werden.

Und so kommt der ein oder andere Kollege, der sonst so überhaupt nichts von einer Beratung im Gehen hielt, plötzlich und unerwartet – aufgrund der finanziellen Not – auf die Idee: Ich geh jetzt einfach mal im Gehen beraten.

Ihre Argumente als Befürworter von Walk & Talk in diesen Wochen:

  • Wir beraten in der Natur und nicht in den geschlossenen Räumen der Praxis
  • Wir bewegen uns an der frischen Luft und fördern so die Resilienz
  • Wir beraten 1 zu 1 und handeln somit konform zu den Kontakteinschränkungen
  • Wir bewegen den Hormonhaushalt positiv – Stresshormone werden abgebaut

Das spricht meiner Meinung nach dagegen?

  • Wir müssen die sogenannte Reproduktionszahl auf unter 1 senken, damit die Kurve nicht nur flach bleibt (#flattentheCurve) – diese Kurve muss gestoppt werden! Nur so können unsere Gesundheitsämter wieder Infektionsverläufe (Ketten) verfolgen. Deshalb reicht es nicht nur aus, dass alle Kontakte in der Öffentlichkeit auf zwei Menschen beschränkt werden! Diese Menschen müssen aus dem gleichen Haushalt kommen, bzw. aus einer Familie/ Wohngemeinschaft. Meine Klienten zähle ich ganz klar nicht zu meinem engeren Kontaktkreis, somit geht auch dieser Kontakt für mich nicht in Ordnung! Oder wie siehst Du das im Umgang mit Deinen Klienten? Ich füge übrigens auch den Link zu den Informationen ,zum Steckbrief des Coroan-Virus beim Robert-Koch-Institut, meinen Shownotes bei.

Meine Klienten kommen überwiegend aus der Region um Bad Honnef herum zu mir – fast gar nicht aus Bad Honnef selbst. Von Rheinaufwärts bis Neuwied und abwärts bis Bonn erreichten mich im letzten Jahr Anfragen. Mit meinem Angebot würde ich also auch Menschen außerhalb meines Wohnorts zu einer Anfahrt mit Bus und Bahn animieren. Auch dies würde das Risiko einer Infektion erhöhen. Das geht gar nicht!

Wir müssen den Abstand von ca. 2 m einhalten. Ich möchte ungern meine Fragen zu den psychosozialen Themen des Klienten über zwei Meter hinweg laut stellen (rüberrufen)! Hier sehe ich letztlich das Risiko zur Verletzung des Privatgeheimnisses (§ 203 StGB). Die Rheinauen, Fußwege und auch Grafenwerth selbst sind gut besucht.

  • Wir können uns auch nicht außerhalb der Insel Grafenwerth auf der persönlichen Spazierstrecke der Klienten zur Beratung im Gehen treffen. Das war bei mir schon vor der Lage um Covid-19 aufgrund der Umwelteinflüsse keine Option! In den heutigen Zeiten werde ich aber erst recht nicht in andere Regionen reisen – das bin ich meinen Lieben schuldig.

Meiner Meinung nach ist dies jetzt die Zeit für uns Berater, Coaches, Trainer und Therapeuten, um die Konzeption zur Beratung im Gehen vorzubereiten oder eine vorhandene zu überarbeiten. Dazu biete ich Euch mit meinem Podcast nützliche Anregungen. Ich kann nur davon abraten: „Einfach mal in einer Beratung loszugehen“. Ihr könnt von meinen Erfahrungen, den ausprobierten Problemlösungen die ich hier anbiete, Nutzen ziehen. Fehler und unangenehme Situationen könnt Ihr so vermeiden. Professionalität in der Praxis ist nicht kongruent mit der Beratungssituation im Gehen herstellbar. Das kann ich Euch sagen!

Was können wir denn dann jetzt für unsere Klienten anbieten?

Impulse aus der Ferne – das sehe ich als Möglichkeit. Nutze die neuen Medien, z.B. ein Smartphone. Dein Klient kann auch alleine einen Spaziergang machen. Gib ihm den Impuls dazu. Damit es auch einen Grund dafür gibt, kannst Du ihn dazu animieren drei Dinge zu fotografieren, die seine Aufmerksamkeit finden. Diese Bilder kann er Dir dann nach dem Spaziergang zusenden und vielleicht auch zu je einem Bild einen Kommentar hinterlassen. Warum fotografierte er gerade diesen Stein, diesen Weg oder jene Ente auf dem Rhein? Wichtig, vorher solltest Du ihn darauf aufmerksam machen, dass er nicht so ohne Weiteres Menschen fotografieren und deren Bilder dann durch die Welt schicken darf – ich spreche hier das Recht am eigenen Bild an. So kannst Du neben den Vorteilen eines SOLO-r(H)einredens auch gleich ein wenig Medienkompetenz vermitteln. Die Erlebnisse beim Spaziergang werden sich dann besonders gut in der Erinnerung Deines Klienten festsetzen, da bin ich mir sicher.

Auch die Onlineberatung sehe ich als sinnvollen Ausweg. Allerdings gelten hier die gleichen Aspekte wie beim Beraten im Gehen. Gewusst wie! Eine Zusatzausbildung ist hier zwingend notwendig! In einer der folgenden Episoden gehe ich auch noch darauf ein.

Soweit erstmal für heute!

Also, ich hoffe Du hast hier wieder ein paar interessante Anregungen finden können und kannst so die Planung Deines eigenen Settings zur Beratung im Gehen für die Zeit nach Covid-19 Erkrankungen planen.

Lass es Dir in den kommenden Ostertagen gut gehen! Ich hoffe sehr, dass es bei Dir auch ruhige Momente geben wird. Hör doch dazu einfach mal in meine Episode #5 rein – Deine EGO-Tage. Vielleicht hilft es Dir ja in den schweren Zeiten auch mal an Dich selbst zu denken. Eine alte Weisheit besagt: „Schuster haben die schlechtesten Schuhe!“

Zu guter Letzt möchte ich hier meinen Tweet von Karfreitag wiederholen:

Gott,
gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut Dinge zu ändern, die ich ändern kann
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
(Reinhold Niebuhr)

In diesem Sinne – bleib gesund und besonnen.

Vergiss nicht, mit mir kannst Du r(H)einreden®

Links der Episode:
https://coronavirus.jhu.edu/map.html, abgerufen: 12.04.2020, 12:12 Uhr CET

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Steckbrief.html, abgerufen: 12.04.2020, 12:19 Uhr CET

https://telefonseelsorge.de/, abgerufen: 12.04.2020, 12:13 Uhr CET