r(H)einreden® – Das Auftragskarussell – #12

Das Auftragskarussell

 

Hallo! Schön dass Du wieder reinhörst, beim r(H)einreden®

Meine letzte Episode habe ich vor einer gefühlten Ewigkeit produziert. Das hat auch etwas mit meinem nun erweiterten Wirkungsbereich im Hauptjob zu tun. Lebensumstände ändern sich, denn Leben bedeutet Veränderung. Und so musst Du Dich auch das eine oder andere Mal auf neue Umstände einstellen und Dich organisieren. Gerade in den vergangenen Monaten durfte ich das am eigenen Leib erleben und meine Komfortzone verlassen. Selbstverständlich sind dann die systemischen Methoden und Techniken sowie eine systemische Grundhaltung hilfreich! Das ist ein stetiger Prozess der Tag für Tag aufs neue Anpassung erfordert.

Du als Berater, Coach, Trainer und Therapeut solltest auch privat auf Deine bewerten Techniken zurückgreifen. Deine eigenen Erfahrungen mit dem systemischen Werkzeugkoffer erhöhen auch die Qualität der Tools in der Arbeit mit Deinen Klienten.

Bei mir geht es heute um eine konkrete Fragestellung, die üblicher Weise im Beratungsprozess auf Dich zukommen wird. Dein Klient ist sich über seine Werte klar und hat darauf aufbauend seine Ziele definiert? Prima, dann geht es jetzt an die Umsetzung. Es werden Aufgaben generiert. Und schon kann es zur „Überflutung“ kommen. Eine Überreizung des „Entscheidungsmuskels“ droht. Einige Kollegen gehen pauschal davon aus, dass wir früh am Tag noch fit für Entscheidungsfindungen sind. Deshalb sollten wir zu der Zeit an den schwerwiegenden und richtungsgebenden Entscheidungen arbeiten. Danach wird es schwerer, bzw. anstrengender. In dem Zusammenhang hört man immer wieder auch vom Grundsatz „Eat the frog!“. Tja und wenn Dein Klient nun nachmittags oder Abends bei Dir gebucht hat? Dann hilft Dir die Methode, die ich Dir heute präsentieren möchte: das Auftragskarussell.

In der Praxis oder beim Walk and Talk solltest Du erstmal das Terrain erkunden. Wer spielt im Leben Deines Klienten eine Rolle und wirkt indirekt bei der Entscheidungsfindung mit?

Wozu der Aufwand? Na ja, Dein Klient trägt niemals alleine die Konsequenzen seiner Entscheidungen. Er richtet auch Aufträge an Dich, die er bewusst oder unbewusst von anderen Personen seines Umfeldes, seiner Systeme, mit sich bringt. „Der dritte Mann“, sozusagen, ist in Deiner Beratung quasi als einflussreiche Person mit unterwegs. Ein Familienmitglied, die Freunde, die Kollegen, ja sogar der Nachbar spielen hier eine Rolle. Nimm beispielsweise die Entscheidung den Job zu wechseln und dazu in eine andere Stadt zu ziehen. Daran wird es deutlich.

Finde also möglichst schnell einen Weg eben diese Einflüsse zu erfassen. Wer richtet sich mit Aufgaben an Deinen Klienten? Wie empfindet Dein Klient diese Umstände? Kommt er damit klar oder fühlt er sich überfordert, gar zerrissen? Finden sich in den Anforderungen eventuell gegensätzliche Interessen hinter den Aufgaben? Gilt es neue Wege zu beschreiten, ganz im Sinne von: „Auf zu neuen Ufern“? Oder sollte man lieber altbewährte und sichere Wege nicht verlassen? Was wird erwartet? Was erwartet Dein Klient von sich selbst und welche Erwartungserwartungen stehen vielleicht hinter den Aufgaben und den damit verbundenen Zielen? Vielleicht hat Dein Klient ja den Ratschlag bekommen sich unbedingt bei Dir die Lösung des Problems abholen zu kommen?

Vorsicht, in dem Fall ist der wichtigste Faktor der Beratung ins Spiel zu bringen. Dein Klient ist Experte für sein Leben. Du bist der Experte für die Methoden, die seine Entscheidungsfindung erleichtern. Darum informierst Du Dich ja auch hier bei mir über die Möglichkeiten des Walk & Talks. Bei mir gibt es keine fertigen Lösungspakete frei Haus. WICHTIG: Die Arbeit macht mein Gast auf der Insel Grafenwerth selbst und so solltest Du auch mit Deinen Klienten arbeiten, nur dann schließt sich der Kreis.

Bei Deiner Suche nach den Aufträgen sowie den Aufträgen hinter den Aufträgen spielen die Werte Deines Klienten eine große Rolle. Nochmal, sich entgegenstehende Werte führen zu inneren Konflikten und das volle Potenzial kann nicht abgerufen werden. Dein Klient lebt mit dem Gefühl einer inneren Zerrissenheit. Ganz im Sinne von: „Egal wie ich mich entscheide, es ist irgendwie immer falsch?!“ Hier finde ich die Erkenntnis wertvoll, dass es für Deinen Klienten stets die persönlichen Eindrücke und Interpretationen seiner eigenen Erlebnisse sind. Pauschal wird es objektiv weder ein Richtig noch ein Falsch geben. Eben mit dem Auftragskarussel bringst Du hier schnell Licht ins Dunkle und eröffnest Deinem Klienten sachlich neutral neue Wege in die Zukunft.

Das Auftragskarussell empfinde ich als nachhaltig, da Dein Klient – wenn er die Vorgehensweise verinnerlicht hat – diese auch später alleine durchführen kann. Quasi verhilfst Du ihm zur Selbsthilfe.

Und so gehe ich auf Grafenwerth vor:

Ich sorge zunächst für einen gewissen Abstand zur alltäglichen Belastungssituation. Nach Überquerung der Brücke sind wir quasi mit dem Betreten der Insel unter uns. Ich nutze den Abstand zum Hamsterrad um die Akkus wieder aufladen zu können. Alles, was auf der Insel passiert bleibt auch auf der Insel. In einer der vorherigen Episoden bin ich auf diesen Einstieg in die Beratung näher eingegangen. Dieses Gesetz ist also nicht nur in Praxisräumen anzuwenden und dient auch hier auf Grafenwerth dem Schutz Deines Klienten.

Beim r(H)einreden nutze ich die positiven Effekte der Umgebung, die Wirkung der Natur. Übrigens, auch ich kann nicht anders – ich muss einfach auf Grafenwerth entspannen. So wird recht schnell und einfach die Basis für eine beiderseits entspannte Betrachtung der Fragestellung hergestellt.

In einer meiner Erstberatungen beispielsweise hatte ich mich zu einem Termin inhouse einladen lassen. Zwei Kollegen, die ebenfalls in beratender Funktion für niederschwellige Angebote zusammenarbeiteten, hatten mich gebucht. Die Insel Grafenwerth war zu dem Zeitpunkt leider für die beiden Klienten keine Option, weil zu weit entfernt.

Thema: Optimierung der Zusammenarbeit mit den Klienten, den Kollegen und den Vorgesetzten. Auch hier habe ich zunächst den Versuch gestartet einen gewissen Abstand zur Arbeit herzustellen. Vergeblich! Wir waren ja nun mal vor Ort „auf der Arbeit“, in den Räumen und die anderen Mitarbeiter befanden sich im Büro nebenan. Das ging überhaupt nicht und hier lernte ich auch, dass sich Beratungen inhouse, im Gegensatz zu niederschwelligen Trainings, deutlich schwieriger gestaltet.

Also, zurück zum Auftragskarussell. Auf Grafenwerth nutze ich, wie ich ja bereits in vorherigen Episoden berichtet habe, gerne eine Boule Bahn. Hier kannst Du Dir gerne nochmal die Episode #2 zum Werterad anhören. Mein Klient findet auf der Bahn einen schönen und für ihn passenden Platz und stellt sich einfach und entspannt dort hin. Mit einem Stock aus der Umgebung zieht er dann einen Kreis um sich. Er entscheidet über die Größe des Umfangs. Mit seinen Füßen „markiert“ er dann den Platz auf dem jeder seiner beiden Füße im Zentrum des Kreises steht – seinen aktueller Standpunkt.

Im nächsten Step gehen wir dann an das Flussufer hinunter und laufen hier rheinauf- oder rheinabwärts, je nach Wunsch des Klienten. Im „Laufe“ des Gesprächs frage ich dann alle bei seinem Anliegen beteiligten Personen ab und lasse den Klienten für jeden Beteiligten einen Stein auswählen. Auch für Umstände und Begebenheiten kann ein Stein gewählt werden. Beispielsweise für den „alten Familienwagen“, der stets kaputt ist, Zeit und Geld kostet und somit auch eine Aufgabe darstellt. Ganz bewusst soll der Klient dann dem jeweilige Stein ein Merkmal zuordnen – ein Wort. Die Steine nehme ich dann an mich und so hat der Klient für jede neue Person/ jeden Umstand wieder freie Hände. Ganz praktisch finde ich hier einen Beutel mit einem Tuch zu nutzen. Ich befreie den Stein von Sand, bevor ich ihn in den Beutel lege – bereit für die weitere Arbeit. Dieser vorbereitende Schritt der Methode kann etwas Zeit beanspruchen.

Dann gehen wir zurück zum Kreis und ich reiche dem Klienten einen Stein nach dem anderen – mit Bezug auf die jeweilige Person. Zu diesem Zeitpunkt ist meine volle Aufmerksamkeit gefragt. Ich höre aktiv zu und stelle passende Fragen zu den Aufträgen. Nun ist es am Klienten den jeweiligen Auftrag an sich in einem konkreten Satz zusammenzufassen. Der Satz soll laut ausgesprochen werden, während der Stein innerhalb oder außerhalb des Kreises platziert werden kann. Wichtig: Je näher der Stein am Klienten abgelegt wird, desto dringender erscheint ihm der Auftrag. Dies passiert meist unbewusst und Dein Klient wird überrascht sein, wenn Du ihn nach dem Ablegen der Steine darauf aufmerksam machst. Auf dem Kreis selber liegende Steine stellen eher neutrale Aufträge dar.

Diese Technik hatte ich bei den eben erwähnten Kollegen im Büro auch anwenden können – hier mit gelben Post It ´s auf dem Teppichboden. Allerdings habe ich für diese Methode extra große Post It´s im Angebot. Das Ergebnis war hier bei beiden ein deutliches Gefühl der Überforderung! Beide standen gemeinsam im Kreis und zeigten sich schockiert über die Fülle an Aufträgen und damit auch an zu bewältigenden Aufgaben. Aber zurück zur Insel. Diese Überforderung wird sich dann evtl. auch bei Deinem Klienten einstellen. Nimm es bewusst wahr und spiegel ihm diese Erfahrung. Spricht Dein Klient dann von „genau dem Problem“, dann kannst Du ihm im nächsten Schritt ein Angebot zur Lösung unterbreiten. Annehmen muss er es selber.

Veranlasse nun Deinen Klienten dazu einen ersten Schritt einzuleiten, eine Priorisierung vorzunehmen. Es scheint stets vordergründig leichter „NEIN“ zu sagen. Deshalb sollte Dein Klient nun die Aufträge ablehnen, die er nicht annehmen möchte, weil sie vielleicht nicht „seine Sache“ sind. Diese Steine sollte er aufnehmen und separat weit vom Kreis entfernt ablegen. Dabei empfehle ich eine Alternative kurz abzustimmen. Wahlweise kann Dein Klient auch kurz überlegen, an wen er diesen Auftrag in seinen Systemen weitergeben möchte. Diese „Aussieben“ und „Wahrnehmen“ der Aufträge wird Dein Klient bereits in diesem Stadium als eine gewisse Form der Erleichterung empfinden. Dann halte kurz inne und hinterfrage, wo Dein Klient nun steht. Wie fühlt es sich im Moment an? Wiederhole dann seine Aussage ganz bewusst. Spiegle auch seine genaue Wortwahl Klienten.

Diese Wiederholung finde ich beim r(H)einreden sehr wichtig, da uns hier in der Natur ein Flipchart fehlt, auf dem wir die erfolgten Schritte festhalten können. Dein Klient kann nicht einfach kurz mal nachlesen. Auch die restlichen Aufträge solltest Du nun nochmals mit Deinem Klienten rekapitulieren. Die Sätze sollte er je Stein, also jeweils zum wichtigen Auftraggeber, laut wiederholen. Danach legt er dann wieder alle Steine/Aufgaben, die nicht delegiert wurden, an den Platz in den Kreis.

Die eigentliche Arbeit passiert ab jetzt zwischen den Beratungsterminen!

Fordere Deinen Klienten zum Ende der Beratungseinheit dazu auf, nicht die scheinbar dringendste Aufgabe „anzupacken“. Besser, weil erfolgversprechender, ist es die Aufgaben anzugehen, zu denen ihm der nächste zielführende Schritt spontan einfällt. Vielleicht kann der Schritt auch sofort umgesetzt werden? Dieser Schritt könnte z.B. ein Telefonat sein – er könnte jetzt sofort zu seinem Smartphone greifen und mit dem wertvollen Abstand zum Alltag sowie der aktuellen Klarheit auf der Insel das Gespräch suchen! Oder er blockt sich beispielsweise sofort in seinem Kalender einen Termin für sich selber, seinen nächsten EGO-Termin (Episode #5). Egal wie klein der Schritt sein wird, er wird nach der Ausführung sofort eine Motivation mit sich bringen.

„Auch der weiteste Weg beginnt mit einem ersten Schritt!“
Konfuzius

Dein Klient kann dann auch mit seinem Smartphone ein Foto seines persönlichen Auftragskarussells knipsen und für den schnellen Zugriff speichern. Einer meiner Klienten hat sich das Foto sofort auf dem Boule Platz als Hintergrundbild auf dem Smartphone abgespeichert. Eine alltägliche Gedankenstütze und Visualisierung der Aufträge / der Erwartungen an ihn.

Ob sich Dein Klient dann alle Steine mitnimmt, ist ihm überlassen. Das habe ich aber so noch nicht erlebt. Vielmehr hat sich ein Klient seinen Stein des Anstoßes, den Stein des Auftrags, als „Souvenir“ mitgenommen, der für eine besondere Bedeutung hatte.

Soweit so gut!

Ich hoffe, Du konntest hier ein paar Anregungen zum Auftragskarussell gewinnen und so die Arbeit mit Deinen Klienten variieren. Ich freue mich über ein Feedback von Dir!

Schreib mir auf meiner Homepage einen Kommentar oder kontaktiere mich über Twitter @rHeinreden.

Lass es Dir gut gehen bis zum nächsten Mal und vergiss nicht:

Mit mir kannst Du r(H)einreden!

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