r(H)einreden® – Das Gedankenkreisen – #13

Hallo und herzlich willkommen beim r(H)einreden!

Meine letzte Episode drehte sich um das Auftragskarussell und auch heute geht es wieder um „Drehungen“, um negative Drehungen, um das Gedankenkreisen. Wie kann die Beratung im Gehen, das Walk & Talk, dagegen wirksam helfen?

Es ist ein paar Monate her, da fragte jemand auf Twitter offen in der Timeline: „Was kann ich gegen das Grübeln machen?“.

Ich erweitere mal die Frage hier um den Faktor: „Muss man denn immer etwas gegen das Grübeln unternehmen?“ Ist es nicht wünschenswert, dass gerade im Zusammenhang mit einer Beratung Klienten ins Nachdenken kommen? Sollten die Gedanken nicht immer in Bewegung geraten – auch wenn es kreisende Gedanken sind? Nun ja, wenn es einen Leidensdruck gibt, dann auf jeden Fall!

Grübeln oder Gedankenkreisen kann – wenn es außer Kontrolle gerät – die Lebensqualität Deiner Klienten massiv einschränken. Auf den Tweet hin erinnerte ich mich an meine Semester der klinischen Psychologie im Studium und gab meine Antwort zum Besten:
„Such Dir einen „Grübelstuhl“ & immer wenn Deine Gedanken zu kreisen beginnen – setz Dich darauf – bestenfalls vor eine Wand. Auf dem Stuhl sollst Du in aller Ausführlichkeit das Grübeln genießen und ausleben – zu jeder Tageszeit! ABER an keinem anderen Ort der Wohnung! TRY IT!“
Die Antwort war: „An keinem anderen Ort, als in der Wohnung? Oder als keinen anderem Ort, als diesem Stuhl? Das letzte kann ich mir gut vorstellen. Eine gute Idee!“

Der Sinn dieser Methode besteht meines Erachtens darin, den Grübeler aus seiner Schleife herauszuholen. Er muss nun den Platz zum Grübeln aufsuchen und das bedeutet wiederum einen gewissen Aufwand. Außerdem bewirkt er so das genaue Gegenteil dessen, was ich beim Walk & Talk anstrebe. Die außer Kontrolle geratenen Bewegungen der Gedanken bringt Dein Klient zum Halten, wenn er selber innehält. Das körperliche Anhalten, das ein geistiges Innehalten mit sich bringt. Hier wirkt natürlich eine Entspannung besonders gut. Ein entspannter Körper kann keinen Stress erleben!

Trotz der sinnvollen Beendigung einer Bewegung, bietet sich meines Erachtens Walk & Talk trotzdem an, allein schon wegen der entspannenden Einflüsse, die seitens der Natur auf Körper und Geist einwirken. Auch wenn es nicht sofort zu einem Beratungstermin Deines Klienten bei Dir auf „Deiner Walk & Talk Insel“ kommen kann, so kannst Du ihm als Methode den Gang in den Garten, außer Haus, auf den Hof oder ähnliche Möglichkeiten anbieten. Die beruhigende Wirkung der Natur ist sofort spürbar. Dort kann er dann seinen „Grübel-Stuhl“ finden. Eine Parkbank, ein großer Stein oder eine schöne Wiese, auf der er sich niederlassen kann. Mit der Entspannung kommt dann auch der gewisse Abstand zur Thematik auf. Also, diese Methodik kannst Du auch beim Walk & Talk mit Klienten im Modus des Gedankenkreisens anbieten, wenn eigentlich eine Entschleunigung angezeigt ist.

Irgendwann wird Deinem Klienten dann der Aufwand vielleicht doch zu hoch erscheinen und er durchbricht seine Problemtrance mit der Erkenntnis: Meinen Grübelstuhl zu besetzten, das ist reine Zeitverschwendung!

Aber handelt es sich beim Grübeln wirklich um eine Zeitverschwendung? Ist es so einfach abzustellen? Ist es nicht vielmehr ein Zeichen von Intelligenz Deines Klienten? Immerhin macht er sich ja überhaupt Gedanken.

Das pathologische, das krankhafte Grübeln, das ist leider nicht so leicht abzuschalten. Bitte bedenke, ich bin kein Arzt und kein Therapeut und ich tue hier auch nicht so als wäre ich ein solcher! Ich berate Dich hier zum Walk & Talk, damit Du selber als Berater und Coach Deine Klienten gut versorgen kannst. Wenn Du als Therapeut aktiv bist, dann ist das hier für Dich wahrscheinlich sowieso nichts Neues.

Wir alle sollten unsere Grenzen kennen und uns darüber in jeder Beratung im Klaren sein. Das stete Grübeln kann ein Symptom ernsthafter Erkrankungen darstellen, wie z. B. einer Depression oder einer Angsterkrankung. Überschreite Deine Kompetenzen nicht! In gewissen Situationen ist es ratsam Deine Klienten an eine andere Profession zu verweisen. Ein erster Ansprechpartner für Deine Klienten sollte der Hausarzt sein. Vielleicht verweist dieser dann auch an einen ärztlichen Psychotherapeuten? Es sollten in jedem Falle körperliche Fehlfunktionen auf biochemischer Basis abgeklärt werden! Sind die Körperfunktionen, z. B. der Hormonspiegel, im Normbereich, dann kann das Grübeln an sich auch als Mechanismus des menschlichen Geistes betrachtet werden, als Warnsignal! Ein Warnsystem, zur Wahrung unserer Grenzen. Beispielsweise bei einer drohenden Überforderung im Alltag. Es macht uns auf Störungen aufmerksam. Grundlegende Ängste, Beziehungsthemen, oder ähnliche existenzielle Risiken. Wobei hier nicht die eigentlichen Themen im Fokus stehen, sondern vielmehr die Ängste vor den Folgen dieser.

Beispielsweise: Angst vor Arbeitslosigkeit mit der daraus resultierenden Angst vor der Klärung: „Wie kann ich dann meinen Lebensunterhalt bestreiten? Verliere ich meine Wohnung? Verliere ich meine Familie?“ Eigentlich, ist dieser Mechanismus gut für Deinen Klienten.

Positiv werte ich diesen Warnhinweis, wenn darauf eine Aktion folgt. Wenn Du Deinem Klienten mögliche Wege aufzeigst, die er nach dem Innehalten beschreiten kann. Wenn Du den kreisenden Gedanken Deines Klienten eine Richtung anbietest. Eine nach der Pause sofort folgende Aktion vielleicht. Den ersten Schritt muss er dann natürlich selber machen.

Zum Beispiel kann der Gedanke aufgeschrieben werden. Dann wird er daraufhin geprüft, ob er veränderungswürdig ist. Kann Dein Klient nun wirklich etwas an der Situation ändern. Wenn nicht, dann sollte er sich diesen Umstand bewusst machen. Am Rhein können hierzu diverse Rituale etabliert werden, z.B. aufschreiben und das Papier dann am Rhein, in einem Steinkreis verbrennen (so vermeidest Du dass die Flammen überschlagen).

Ganz im Sinne von:
Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. (R.Niebuhr)

Sollte der Gedanke zu einer konkreten Handlung führen, dann gilt es diese umzusetzen – bestenfalls sofort – oder sie zu terminieren. Wann habe ich Zeit mich darum zu kümmern? Aus dem Sinn, aufs Papier und ab in den Kalender.

Ganz pragmatisch könnte sich Dein Klient dann ziel- und lösungsorientiert eine Checkliste aus dem Internet herunterladen, aus der die einzelnen Schritte im Falle einer Arbeitslosigkeit hervorgehen. Diese kann er auch noch durch persönliche Anmerkungen ergänzen. Der begrübelte Fall traf noch nicht ein, ok. Allerdings hat Dein Klient nun mit dieser Liste für eben diesen Fall der Fälle bestens Vorbereitungen getroffen und kann bei wiederkehrenden Gedanken einfach einen Blick in die Liste werfen – Gefahr erkannt / Gefahr gebannt. Solche Vorbereitungen können auch für andere Life Events erstellt werden. Todesfälle in der Familie, ein unerwarteter Krankenhausaufenthalt oder ein defektes Familienauto.

Also, ich hoffe Du konntest auch aus dieser Episode etwas Sinnvolles für Deine Beratungen im Gehen gewinnen. Auch, wenn wir bei dieser Fragestellung des Gedankenkreisens eigentlich Körper und Geist innehalten lassen wollen.

Wenn es Dir gefallen hat, dann erzähle es alle denen weiter, die Du magst. Und wenn nicht, dann berichte allen denen davon, die Du nicht magst!

Anyway, lass es Dir gut gehen und vergiss nicht, mit mir kannst Du r(H)einreden®!

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